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Sechs Stunden vor der >Tollhouse<-Release-Party im Sarahs war es Indiezone vergönnt, ein exklusives Gespräch mit den Machern des Albums, DEAD MANS CHAMBER, zu führen. In einer herzlichen Atmosphäre sind folgende Zeilen entstanden:
INDIEZONE: Die Frage zum warmwerden: Ein paar Stunden vor dem Release Eures Erstlings „Tollhouse“…
Wie fühlt Ihr Euch?
PIEHLI: Ich bin die ganze Zeit am Pinkeln.
DENIS: Eher locker. Ich denke, das wird heute eher ein spaßiger Abend. Es ist cool, die CD endlich
rauszubringen, aber wir nehmen es nicht so ernst. Es muss auch nicht alles perfekt laufen.
Die CD kommt raus und das teilen wir mit den anderen.
HENNI: Ich freu mich auf das Bier danach.
IZ: Das erste, was bei der CD ins Auge sticht, ist das liebevoll gestaltete Artwork. Was war
die Motivation hierfür?
PIEHLI: Hat doch jeder.
DENIS: Um sich ein bisschen vom Kommerziellen abzusetzen. Wenn man sich Metal-CDs anschaut,
dann sind die meistens vom Stil her ähnlich. Und wir wollten ein CD-Cover machen, das sich
an unseren Musikstil anpasst. Wir machen ja keinen straighten Metal und auch nicht diesen
Dark-Metal, sondern wir versuchen schon irgendwie so einen tanzbaren…
[Gelächter der restlichen Band]
HENNI: Tanzbares Schwermetall.
IZ: War auch eine Motivation für das Artwork, die Leute eher zum Kauf des Albums zu bewegen bevor sie sich die CD brennen?
HENNI: Mir ist es prinzipiell egal, ob sich die Leute das brennen. Ich will einfach, dass viele Leute die Musik hören, weil sie ihnen gefällt.
FABI: Für mich ist die CD auch etwas sehr Persönliches. Ursprünglich war ja geplant, dass wir nur eine Demo aufnehmen. Irgendwann haben waren wir so tief drin, dass wir uns für ein ganzes Album entschieden haben. Und dann haben wir das Ding auch in Eigenregie hier im Proberaum aufgenommen. Für mich ist es so eine Art Sahnehäubchen.
FLO: Für mich ist die Vorstellung geil, im Alter von 50 Jahren die CD meiner ehemaligen Metal-Band meinem kleinen Scheißer zeigen und sagen: „schau mal, was der Papa gemacht hat“.
Einfach die Tatsache, dass Du was in Händen hast, was Du damals selber gemacht hast.
IZ: Habt ihr Euch bewusst für den heutigen Tag als Release-Date entschieden?
Gesamte Band: Ne, da war halt frei….
IZ: Also hat es nichts damit zu tun, dass heute vor 23 Jahren Metallica „Master Of Puppets“ veröffentlicht haben?
Gemeinsames Grölen der Band: Doch! Na Klar!
DENIS zu FLO: Das musst Du nachher in Deine Rede aufnehmen, dass Metallica…
FLO: Welche Rede?
FABI: Was man schon sagen kann in Bezug auf Metallica…
FLO unterbricht: Der Fabi hat Ulrich-Signature-Sticks! Die spielt er heute Abend auch!
IZ: Damit schließt sich quasi ein Kreis?
Nickende Zustimmung unter Grinsen.
IZ: Was erwartet Ihr Euch von Eurem Debütalbum? Spielt auch der wirtschaftliche Erfolg eine Rolle?
PIEHLI: Es müssen 125 Euro reinkommen, dann sind alle Ausgaben gedeckt.
DENIS: Wir benutzen die CD als Promotion und schicken sie an Radiosender, Labels und schauen, was dabei rumkommt. Wir haben uns in letzter Zeit auch sehr weiterentwickelt; wenn man die Anfänge mit heute vergleicht… Das sind einfach Welten.
FABI: Das Album ist ja innerhalb der letzten zwei Jahre entstanden. Und auch heute Abend spielen wir nur die Hälfte vom Album und der Rest des Sets ist komplett neu. Tatsächlich sind wir musikalisch einen ganzen Schritt nach vorne gegangen.
DENIS: In erster Linie wollen wir unsere Ausgaben erstmal wieder reinbringen – und das ist machbar.
FLO: (nach Telefonpause wieder im Raum)
Es geht letztendlich um Auftritte. Wir wollen einen Bekanntheitsgrad erreichen, der es uns ermöglicht nicht um Auftritte betteln zu müssen, sondern auch mal gefragt zu werden.
IZ: Da sind wir schon beim nächsten Punkt. Habt ihr eine Tour geplant?
[allgemeines Lachen]
DENIS: Also eine Tour ist problematisch, weil ja auch einige studieren….
FLO: Genau dann geht’s ja…
Ein längerer Diskurs innerhalb der Band beginnt. Es werden die beinahe-Abwesenheit von Sänger Flo und die einjährige Abwesenheit von Denis erörtert.
FABI: Es war eine lehrreiche Zeit, als Denis nicht da war. Als er zurückkam haben wir es vielmehr zu schätzen gewusst. Denn nur so stimmt die Chemie in der Band. Das war im Prinzip auch der Motor von allem hier. Wir entwickeln unsere Songs gemeinsam und nur weil wir alle geil finden, was wir machen, und uns gegenseitig geil finden….
FLO übernimmt den Faden:
Der Spaß steht extrem im Vordergrund. Es gibt auch Bands mit dem gleichen Professionalitätsgrad wie wir ihn haben, die sich aber richtig Druck machen. Bei uns ist das alles sehr locker.
IZ: Also das Hauptziel ist es nicht, einen Plattenvertrag zu bekommen bzw. den Durchbruch zu schaffen?
PIEHLI: Es wäre ein schöner Bonus.
DENIS: Der Spaß steht schon im Vordergrund, aber wir streben das schon in einer gewissen Art und Weise an. Aber es ist nicht unser Lebensziel.
FLO: Wir geben nicht alles auf dafür.
IZ: Wie ist Euer Verhältnis zu den anderen Bands in Landsberg?
FABI: Wir sind lange nicht ernst genommen worden.
HENNI und FLO: Distanziert, aber gut.
PIEHLI: Das hab ich auch schon oft in Gesprächen erwähnt, dass die anderen Bands sehr distanziert sind. Zwar nicht alle, aber ich finde es schade, dass die Verbindung unter den Bands in Landsberg so schwach ist.
HENNI: Wir kommen eigentlich mit allen gut aus, aber nicht alle mit uns.
DENIS: Das hängt natürlich auch stark davon ab, wen aus den anderen Bands man kennt. Wenn man persönlich Probleme mit einzelnen Bandmitgliedern hat, dann kann es schon vorkommen, dass man die Band nicht mag.
FABI: Wir nehmen uns auf der einen Seite nicht alle so tierisch ernst und auf der anderen Seite die Sache, die wir machen schon. Und es kann einfach sein, dass manche außerhalb der Gruppe das ziemlich schlecht nachvollziehen können.
HENNI dreht das Interview um:
Du hast uns fünf jetzt gesehen. Würdest du denken, dass wir so Musik machen, wenn du uns einzeln auf der Straße treffen würdest?
DENIS: Ich hör eigentlich auch kein Metal…
[Gelächter und diverse Beleidigungen in Richtung Denis]
Also ich mag Metal gerne und hör es auch…
[erste körperliche Attacken auf Denis beginnen]
Ich zieh mir das schon rein. Das ist auch wichtig, wenn Du in einer Metal-Band spielst, dass Du weißt, was es neues gibt. Aber in meiner Freizeit zieh ich mir schon lieber andere Musik rein.
FLO: Wenn ich eine neue Metal-Scheibe hab und ihm gebe, hört er sie sich schon an, aber…
DENIS: Ich würde sie mir nicht kaufen. Manchen Metal, den ihr hört kann ich mir nicht antun, weil er
mir zu hart ist, bzw. die Vocals zu seltsam sind.
FABI: Es geht uns auch häufig so, dass wir total erschrocken sind, was für ein Sound rausgekommen
ist, wenn wir einen Song auf der Bühne spielen.
DENIS: So ging uns das auch teilweise beim Album. Bei den deutschen Songs [„Göttertod“ und „Herr
der Wölfe“] gab es ein paar Stellen, da dachte ich mir: Krass….
IZ: Was schon beim ersten Durchhören der Platte auffällt ist, dass ihr das Klischee von der
eintönigen, stumpfen Metalband in fast jedem Song durch eine hohe musikalische Vielfalt widerlegt. Zum Beispiel singt Ihr auch zweisprachig. War das von Anfang an geplant?
DENIS: Ich kann mich daran erinnern, dass wir am Anfang einen gemischten Metal machen wollten. Wir haben ja auch Parts, in denen sich das so ein bisschen Clown-mäßig anhört. Bei „Senseless“ ist ein Part, sowas habe ich noch nie von irgendeiner Metalband gehört - wo auf einmal dieses brutale in etwas fast schon kindisches reinrutscht.
HENNI: Oder auch bei „Herr der Wölfe“…
Wo wir eigentlich einen Walzer spielen, was durch Verzerrung und andere Faktoren kaum noch auffällt.
FLO: Das Ziel war einfach, Metal zu machen…
PIEHLI: Aber Metal, der anders ist.
HENNI: Eigentlich haben wir uns nie abgesprochen, was wir machen wollen – wir haben es einfach gemacht. Bei uns entstehen die Lieder eher aus einer Jam-Session als aus einem bewussten Denken heraus.
FABI: Wobei wir ja dann doch strukturiert vorgehen.
DENIS: Die Sache mit dem gemischten Sound hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass wir von Grund auf schon so verschieden Charaktere sind.
PIEHLI: Und jeder seinen eigenen Musikgeschmack hat.
DENIS: Das macht auch den Hauptteil unserer Musik aus, dass nicht alle dieselbe Schiene fahren, aber trotzdem auf Kompromisse eingehen können.
IZ: Wo würdet Ihr Euren Musikgeschmack einordnen?
FLO: Von Hip Hop bis Electro…
PIEHLI: Sehr viel Metal.
HENNI: Guter, alter Rock.
FABI: Von Ray Charles bis was weiß ich...
HENNI: Wenn wir unsere eigene Musik beschreiben müssten, dann würde mir der Spruch vom Philo [Haus- und Hoffotograf von DMC] einfallen: Bier, Wein, Titten und Ärsche.
FLO: Ich mag aber keinen Wein…
[Gelächter bricht aus]
Aus der Tiefe des Raumes:
Dafür aber der Fabi. Der trinkt für Euch alle.
FABI: Phasenweise haben wir auch eine Rauschzeit.
HENNI: Wir treffen uns auch teilweise zum Proben, aber irgendwie sitzen wir dann doch nur hier und trinken. Das kommt auch mal vor.
DENIS: Das war ja vor einem Jahr noch viel schlimmer. Da hatte jeder eine Flasche Wein dabei, die nach einer halben Stunde leer war. Und dann haben wir angefangen zu spielen.
[Das Gelächter wird zu Kichern]
IZ: Und Ihr wart anscheinend trotzdem produktiv…
PIEHLI: [überlegend] produktiv, hm…
DENIS: So produktiv, wie man dann noch sein kann.
FABI: Das war dann auch die Phase, in der wir angefangen haben, uns die Songs aufzuschreiben. Vorher konnten wir sie uns noch besser merken.
Das gelungene Debüt-Album >Tollhouse< ist ab sofort bei Auftritten von Dead Mans Chamber persönlich, und über die Internetseite www.deadmanschamber.de für kleines Geld käuflich zu erwerben.
Vielen Dank an die gesamte Band für Ihre Zeit und Philo für die fotografische Unterstützung.
Das Interview führte Bost.